Wutsalat
Wutsalat. Hm. Was’n das? Fehlt da nicht ein “rs”? Die hat sich doch bestimmt verschrieben und redet von Wurstsalat?!
Nö. Ist alles korrekt, so wie es da steht. Bei meiner neuen kulinarischen Errungenschaft handelt es sich um Wutsalat. Mit Kartoffeln. Die Salatkreation entstammt einem Blackout, der mich neulich ansprang. Manchmal befürchte ich ja, dass mich eine meiner Kurzschlusshandlungen irgendwann mal in den Ruin treiben wird. Alternativ in den Wahnsinn, in die Irrenanstalt oder alles zusammen. Oder halt in die Küche. Kaum hat das Kind nämlich die Schule gewechselt, geht’s elternengagementtechnisch weiter wie bisher – nur auf höherem Niveau, weil “wir” ja jetzt auf dem Gymnasium sind. Gekaufte Salate, Kuchen oder ähnliches wären zu billig – so lässt es mich die übergewichtige und unsportliche Klassenlehrerin durch den Junior wissen. Die Rede ist natürlich nicht vom materiellen Wert der essbaren Zwangsspenden, schon klar. Ich – Frau – soll mich gefälligst auf das besinnen, was Frauen nun mal so tun. Kochen. Backen. Weiberkram. Aber nicht nur dann, wenn mir der Sinn danach steht – was zugegebenermaßen schon mal vorkommen kann – sondern immer. Weil ich halt ne Frau bin und Frauen nun mal so sind.
Ich bin leider nicht blöd genug, als dass ich einen derart heftigen Wink mit dem Zaunpfahl falsch interpretieren könnte. Na gut, vielleicht leide ich auch unter diesem neidgeprägten Verfolgungswahn, den hausfrauentechnisch begabtere Frauen bei weiblichen Menschen wie mir hin und wieder auslösen – allerdings gefällt mir dieses Intelligenz-Dinges wesentlich besser, also bleibe ich dabei. Tja, was macht die Bilderbuchmama, nachdem sie sich ausgeflucht und ein bisschen durch die Wohnung gewütet hat? Sie denkt sich, ‘Frau Lehrerin, du kannst mich mal’ [Das habe ich natürlich nur gedacht! Ich schwöre! Ich hab das nicht vor dem Junior gesagt... glaub ich] und nimmt das auf Eis gelegte Kartoffelsalat-Projekt wieder in Angriff. Im Grunde meines unemanzipierten Herzens wollte ich ja ohnehin schon immer ein tolles Salatrezept in mein, mit zwei Rezepten doch sehr überschaubares, Salatrezeptrepertoire aufnehmen. Eben damit ich in so einem Salatbüffet-Fall nicht nur Ausreden beisteuern kann, sondern was Handfestes mit Geschmack. Das war die offizielle Version. Inoffiziell erscheint mir der Gedanke, keinen Salat beizusteuern, weil ich keine Lust habe – und nicht, weil ich es nicht kann – extrem verlockend. Genau das ist die Motivation, die jemanden wie mich in die Küche treibt.
Nu ja, Projekt erfolgreich beendet, möchte ich sagen. Ich habe vier Tage in der Küche gestanden und so viel Kartoffelsalat gegessen, dass ich bald selbst wie eine Kartoffel aussehe. Der Junior und der M(ann)a(n)m(einer)S(eite)* haben den Salat offiziell abgesegnet. Der Junior war begeistert – kommt nicht oft vor, weil er sehr wählerisch ist – bat mich allerdings, beim nächsten Mal doch bitte auf die Schinkenspeckwürfel zu verzichten, weil er Wurst allgemein und Schinken speziell total ekelig findet. Wie gerne würde ich seinem Wunsch nachkommen… wären die Schinkenwürfel nicht das tragende Geschmackselement in meinem Wutsalat. Auch der MamS meldete einen Änderungswunsch an. Weil er Zwiebeln überhaupt nicht mag, würde er den Salat lieber ohne angebratene Zwiebeln essen, dafür aber mit mehr Schinkenwürfeln. Tja. Die Zwiebeln sind, ihr ahnt es schon, das zweite tragende Geschmackselement von meinem Kartoffel-Wut-Salat. Normalerweise wäre das der Punkt, an dem ich die Herren höflich darauf aufmerksam machen würde, dass der Dönerladen nur einen Kartoffelwurf entfernt liegt. Aber weil ich ja gar nicht für die Herren gekocht habe, sondern für einen guten Zweck, war mir das alles schnurzpiepegal.
Eines weiß ich allerdings: Wenn diese überambitionierte Martha Stewart demnächst einen Kuchen zwangseinfordert, dann ist Schluss mit lustig. Den Ehrgeiz, mit der schönsten Torte zu protzen, hatte ich nämlich noch nie und so wie ich das im Gefühl habe, wird sich daran auch nix ändern. Was sich allerdings geändert hat, ist mein Bestreben, es allen recht zu machen…

So eine Frechheit der Lehrerin! Ich glaub, ich hätte ihr was erzählt.. aber man will ja nicht gleich unangenehm auffallen.. *gg*
Das nächste Mal solltest Du Mams den Salat zubereiten lassen – das ist dann politisch korrekt und auch noch emanzipiert!
Und bleib wütend
Könnte der MamS Salat zubereiten, dann wäre das eine Option. So beschränke ich mich darauf, ihn bei den Eternabenden vorzuschicken, bei denen diese Themen zur Tagesordnung gehören. Denn merkwürdigerweise erwartet von einem Mann niemand, dass er bei Kuchen und Salaten freudig “Hier” schreit.
Man kann es in der Tat nie allen recht machen. Kuchen- und Salatspenden? Tja….das sind eben die Dinge, die man bei der Zeugung eines Wonnepropens völlig ausser Acht lässt. Niemand klärt einen datüber im Vorfeld auf. Kein Mensch sagt einem offen ins Gesicht: “Ja klar, ist ein Baby süß. Aber….weißt du eigentlich, wie viele Stunden du in ein paar Jahren in der Küche stehen wirst um für fremde Menschen diverse Salate zusammenzurühren und Kuchen zu backen? Du wirst es hassen! Für mich wär das ja nichts….”
Böse Welt.
Ich sag’s dir… hätte ich DAS alles vorher gewusst…
Wenigstens müssen wir Eltern uns jetzt nicht mehr hinstellen, um den Kram zu verkaufen. Dazu wird nämlich jetzt der Nachwuchs rangezogen. Und was soll ich sagen: Die Bereitschaft der Jungs, das Training sausen zu lassen, um Salat & Co zu verkaufen, hielt sich in sehr engen Grenzen.
Wirklich? Sind Frauen nun mal so? Ich glaub ich muß gleich kotzen!
Wenn die Lehrerin schon solche Äußerungen von sich gibt, könnte SIE das nächste Mal doch einen tollen ungekauften selbstgemachten Salat hinzaubern. Sozusagen als gutes Beispiel für Mütter wie Dich *griiins*
Ja, Frauen sind so. Weil wir nämlich zum Kochen, Putzen, Backen und Dienen (in beliebiger Reihenfolge) geboren wurde. Warum weißt’n das nicht?!
Es ist ja nicht, dass ich nicht spende – von den Geldspenden, die ständig für den guten Zweck eingefordert werden, rede ich ja gar nicht erst. Aber wenn das alles mit so einer Anspruchshaltung verknüpft ist, dann lasse ich doch denen den Vortritt, die das gerne und wesentlich besser als ich machen.
Ich kapier das noch immer nicht… Du hattest ja vor einiger Zeit schonmal wegen diesen Essensspenden in der Schule erzählt…
Hat sich das so geändert? Bei uns war da nie was… Machen die dort in der Schule Party? Oder ist das nur fürs Lehrerzimmer?
Naja, ich denke Du hast das so gut gemacht!
Übrigens, hinter dem ersten auftreten von Mams ist noch ein Sternchen… sollte dazu unten noch eine Erklärung folgen?
Die Spenden dienen alle einem guten Zweck.
Und weil das Geld immer knapper und die öffentlichen Kassen immer leerer werden, werden die Eltern halt intensiver rangenommen – so scheint es mir. Ich hätte nur gerne die Wahl zwischen Geld- und Sachspende, dann könnte ich mir das Salat-Kuchen-Gedöns direkt sparen und gleich Geld spenden. Aber nein: Es muss ja beides sein.
Das Sternchen. Stimmt. Ich wollte erklären, dass aus dem “Herzallerliebsten” der MamS geworden ist. Aber das habe ich in der About-Seite schon erledigt. Außerdem ist MamS selbsterklärend. Finde ich.
Aha… dem Guten Zweck… Sowas hat unsere Schule damals nie gemacht…
Was ist denn mit den Familien, die sich sowas nicht leisten können? Oder gehen die davon aus, das Kinder aus solchen Familien nicht auf solch eine Schule gehen?
Naja, vielleicht liegt das ja auch an der großen Stadt…
Vielleicht etwas Abführmittel in den Salat…
War damals nicht nötig, denn da waren die öffentlichen Kassen nicht so leer. Meine Eltern mussten “damals” [vor gefühlten 100 Jahren
] auch kein Geld für Schulbücher zahlen. Und davon, dass Eltern den Klassenraum putzen oder renovieren war auch nie die Rede.
Abführmittel? Boah, MrElch. So fies bin ich nur in Gedanken und auch nur in den schwärzesten Stunden. Bei Vollmond und PMS.
Will die Dicke sich durchfressen oder warum verlangt sie nach Haute Cuisine?
Und wieso habt ihr keine Mensa?
Jedes vernünftige Gymnasium hat doch eine Mensa!
Da werden dann auch nicht mehr die Mütter zur Nahrungszubereitung herangezogen, sondern der Caterer.
Denk mal dringend über einen Schulwechsel nach!
PS:
Neulich hat unser Caterer die Mensa freigegeben, damit die Kinder höchstpersönlich mit den Lehrern was backen & kochen konnten, um es hinterher für einen guten Zweck zu verhökern!
…ich sach nur: Schulwechsel…
Ne Mensa gibt’s ja jetzt endlich – die Farbe ist sozusagen gerade getrocknet.
Und die essbaren Spenden sind – siehe Antwort an MrElch – nur für den guten Zweck. Das Zeug wird nämlich verkauft und der Erlös kommt einer Sache zugute, von der der Junior so gar nüscht hat. Ich bin ja nicht gänzlich unkooperativ… aber irgendwann ist’s auch mal gut.
Ich bringe da immer Fertigzeugs und DEKORIERE es.
Macht mächtig Eindruck und wenig Arbeit (Deko is nich Arbeit, das ist Spaß, sach’ ich jetzt mal).
Alle sind beeindruckt, meine Muffins sind als erstes weg (loooogisch), und ich bin Mutter des Jahres.
Lerne für’s Leben, Schärrie….
Lerne fürs Leben – na was meinst du, warum ich immer bei dir reinschaue? Ich weiß genau, wo meine Schwächen liegen und ich weiß jetzt auch, wo ich die nötigen Inspirationen finde.
Diese Padagogin hat sie doch nicht alle. Sie kann doch nicht von einer berufstätigen Mutter einen selbstgemachten Kartoffel-Salat einfordern. Ich finde Deine Einstellung richtig, es allen recht zu machen, lohnt sich nicht. Manche nehmen diese Anstrengungen nämlich gar nicht mehr zur Kenntnis.
Und genau das ist der Punkt. Einerseits sollst du als Frau/Mutter – oder als Frau Mutter
– noch genau so grandios umsorgend sein wie in den 50ern. Nur hat sich leider das ganze Umfeld so geändert, dass du dich zerteilen musst, wenn du allen gerecht werden willst. Davon abgesehen: Ich spende gerne, wenn’s für eine Sache ist, deren Sinn ich erkenne. Aber wenn mir vorgeschrieben wird, welcher Art die Spende zu sein hat, dann mag ich nicht mehr.
Nebenbei bemerkt: Das mit den selbst gemachten Salate kann auch nach hinten losgehen. Auf der Klassenabschiedsfeier habe ich einen erwischt, bei dem ich mich nach dem Pf*ennigs-Fertigzeugs gesehnt habe und das kommt nicht oft vor.
Hättste was gesagt: bis vor gestern hatte ich noch Wutsalat mit “RS”. Hätte für die ganze Schule gereicht
Das habe ich auch gedacht, als ich dein Posting gelesen habe.
Ich finde die Idee von Joanna grandios – kauf Kartoffelsalat, streu ein bisschen frische Kräuter drüber, dekorier ihn mit ein paar gekochten Eiern – und dann hau ihn der Dame ins Gesicht. Dann hat sie auch was davon (ist sicherlich auch gut für die Haut) und du ärgerst dich nicht so, als wenn es selbstgemachter gewesen sei. Kann man bestimmt prima tarnen, tu so, als wärest du gestolpert
Die Joanna hat noch ganz, ganz viele grandiose Ideen. Schau mal bei ihr rein – da fällt dir der Kartoffelsalat von ganz alleine aus der Hand.
Das mit dem Stolpern…
ne. Das kann ich nicht und das schaffe ich nicht. Ich bin nämlich nicht so giftig, wie es hier gelegentlich den Anschein hat. Außerdem hätte ich auch gar keine Lust, den Dreck hinterher wegzuwischen.
Na, na, die Joanna wird schon ganz rot vom vielen Lob…
Zu den Fertig-Sachen:
frische Teige aus dem Kühlregal füllen (hast schon mal eine Rolle Hefeteig zu kleinen Quadraten geschnitten, jeweils ein Stückchen Milchschokolade rein, zu Kugeln formen, und backen, ev. mit Glasur verzieren, etc… geht echt schnell).
Oder die mini-Muffins vom Aldi mit nem Frischkäse topping zu Cupcakes, etc… (such mal die Pizza-Party bei mir, da hab ich es so gemacht, und bei Jils welcome-Party auch).
Oder mach doch das Laugen-Konfekt, das geht auch mega schnell, und ist sehr begehrt…
Bei alledem schmeckt alles sehr lecker und nicht “fertig”
.
Anna, ich mache doch gart nicht so viel: ich weiß aber, wie man es macht, dass es nach viel AUSSIEHT *ggg*, die wahre Kunst, ne
?
Da musst du jetzt durch. Ehre, wem Ehre gebührt.
Ha, das sind mal Tipps, mit denen ich was anfangen kann. Danke dir.
Und jetzt muss ich mich weiter durch dein Blog stöbern. Der letzte Absatz hat mich vollends überzeugt.
Genau das will ich auch können. Nicht mehr… aber auch nicht weniger.
Also, wenn selbst ich einen wohl ganz schmackhaften Kartoffelsalat hinbekommen kann, kanns nicht so schwer sein – nur leider eine Mords Arbeit. Seien sie froh, dass es “nur” für eine Horde Kinder statt Männer ist, die sind nämlich mindestens genauso neunköpfig!
Der Kartoffelsalat war wirklich ganz lecker. Und wenn man sich’n bisschen Mühe gibt, dann gelingt der auch. Wenn einem nur jemand die Kartoffeln pellen würde. Was für’n Arbeitsaufwand…
“Nur” ne Horde Kinder? Ha. Man soll niemals von der Körpergröße auf den Appetit schließen. Was der Junior hier wegfuttert ist unglaublich und tatsächlich verdrückt er größere Portionen als der MamS – und der ist 196cm groß und wiegt 100 kg. Passt also ordentlich was rein in den Mann.
Na super…
Du machst mir ja Hoffnung…
Ich finde es jetzt schon nervig und meine Süße ist erst im Kindergarten…
NA, ja, wenigstens kann ich besser kochen als basteln;-)
Ich habe auch gedacht, dass es auf der weiterführenden Schule endlich mal ein Ende hat. Wenigstens das Basteln hat sich erledigt. Das machen die “Kinder” jetzt selbst.
Na das ist doch schonmal was…
Basteln ist ja das schlimmste Übel!